Der Muskelkater – Was du noch nicht wusstest…

Als Muskelkater wir allgemein das Schmerzempfinden bezeichnet, welches nach einer hohen oder ungewohnten körperlichen Belastung auftritt. Alte Theorien von „Übersäuerung“ und alleinigen Symptomen durch das „Reißen“ der Z-Scheiben (Teile der Muskelzelle) sind überholt.

Denn alleine die biochemischen Entzündungsprozesse sowie die strukturelle Schädigung der Z-Scheiben können die Entstehung des Muskelkaters nicht lückenlos erklären. Die zeitliche Differenz zwischen struktureller Schädigung der Z-Scheiben innerhalb einer Myofibrille, sowie dem ablaufenden Entzündungsprozess und dem empfundenen klassischen Muskelkaterschmerz nach 48 und 72 Stunden stehen diesen Hypothesen entgegen.

Über die Schmerzentstehung des Muskelkaters und dessen Ursächlichkeiten wird jedoch noch immer weiter diskutiert. Letztlich konnten Gibson, Arendt-Nielson, Taguchi, Mizumura und Graven-Nielson (2009) zeigten, dass eine primäre Schmerzwahrnehmung vermutlich durch das Epimysium, die kollagene Muskelhülle, erfolgt. Gleichermaßen reagiert die Faszie (Epimysium) beim Muskelkater deutlich sensibler auf elektrische Reize, als der Muskel selbst (Lau, Blazevich, Netwon, Wu, Kazunori & Nosaka, 2015). Heißt also: Faszienkater und nicht Muskelkater?

Zur Zeit kann zumindest gesagt sein, dass die Faszien eine hohe Rolle in der Schmerzwahrnehmung und auch Wahrnehmung der Druckveränderung (durch kleine Ödeme zwischen den Zellwänden und Gewebsschichten) spielen. Die Rezeptoren in den Faszien spüren und kommunizieren, sicherlich bleibt das Produkt des Muskelkaters aber ein Produkt aus mehreren Systemen.

In welchem Ausmaß von welchem Faktor (Ödem, Rissstellen, Hormone etc.) aus, welche Schmerzintensität ausgelöst wird, ist noch ungeklärt. Häufig unbekannt ist, dass selbst leichte Dehnungen / Dehnübungen zu diesen hohen Spannungen führen können, welche einen Muskelkater auslösen und darüber hinaus auch im seltenen Fall zum Dickenwachstum (Hypertrophie) des Muskels führen können. Dies ist insbesondere bei weniger-trainierten Personen der Fall. Neben den notwendigen Spannungszuständen, die sicherlich Grundlage eines Muskelkaters sind, ist die ungewohnte Belastung, welche auf den Organismus wirkt, ebenso als ursächlich anzusehen. Die Entstehung des Schmerzes selbst, scheint dann aber direkt von unseren Muskelfaszien aus kommuniziert zu werden.

Eine hohe Innervation faszialer Strukturen, darunter auch Nozizeptoren, konnte bereits mehrfach ebenfalls bestätigt werden (Taguchi et al., 2013; Schilder, Hoheisel, Margerl, Benrath, Klein & Treede, 2014; Tesarz, Hoheisel, Wiedenhöfer & Mense, 2011). Bei der Schmerzweiterleitung von Muskelkater (DOMS) sollte den kollagenen Muskelhüllen daher eine sicherlich erhöhte Aufmerksamkeit zuteil kommen als bislang.

Der Muskelkater ist auch nicht unbedingt schädlich, gleichzeitig aber auch nicht zwingend das Ziel eines effektiven Trainings. Muskelkater sagt schlichtweg, dass die gestressten Gewebsanteile einer außerordentlich hohen körperlichen oder aber auch eine ungewohnten Belastung ausgesetzt waren. Der Spaziergang lange bergab, das Schaufeln im Garten, die Runde auf der Kartbahn oder eben das lang vernachlässigte Krafttraining.

Je ungewohnter die Belastung und / oder je höher der Spannungszustand im Muskel-Faszien-Komplex, desto höher ist die Chance auf den Muskelkater. Die höchsten Spannungszustände im Muskel-Faszien-Komplex erreicht man zumeist über exzentrisches Krafttraining (siehe hier auch das Buch: R. Schleip, B.Buschmann, J.Bayer: Faszien Krafttraining). Achte also darauf, wann du was trainierst und was du damit beeinflussen kannst. Macht es Sinn mit viel Muskelkater in den Wanderurlaub, das Match, den Wettkampf oder die entspannte Weinprobe zu gehen? Bleib dann lieber wenige Tage zuvor bei angemessenen Routinen und sei im Vollbesitz deiner Möglichkeiten.

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