Sport­verletzungen und deren Versorgung

Die häufigsten Verletzungen und Überlastungen im Sport sind myofaszialer Natur, wie z.B. das Runner’s Knee oder das Shint Splint (Fullem B.W., 2015). Die Aufgabe eines modernen Trainers & Therapeuten sollte es demnach sein, diese strukturellen Entgleisungen zu vermeiden. Diese myofaszialen Dysbalancen, also ungleich verteilte Spannungen im Netzwerk aus Muskeln und Faszien, sorgen für diese Problematiken, vor allem wenn sie über einen längeren Zeitraum bestehen. Oftmals können diese Fehlmuster sogar über Jahre oder Jahrzehnte vom Körper toleriert werden, bis irgendwann der eine Tropfen kommt, der das Fass zum überlaufen bringt. Sobald es zu diesem Zeitpunkt kommt, entstehen immer wiederkehrende Schmerzen, plötzliche Verletzungen ohne große Krafteinwirkung von außen oder andere weitreichende Belastungen für den Körper. Meistens reagiert man erst jetzt und ist der Meinung etwas unternehmen zu müssen, da es jetzt ein aktuelles Thema ist und zum Alltag gehört. Die Prävention gerät hierbei zuvor häufig in Vergessenheit. Prävention ist schlichtweg eine Frage des Mindsets! Bin ich bereit ohne direkte Not Zeit und Geld in mich zu investieren? Bist du es dir wert?

Dadurch kannst du spezifisch an deinen Baustellen arbeiten und dafür sorgen, dass dein Körper ausgeglichen ist bzw. möglichst lange in Balance bleibt. Eine Gewissheit hat man leider nie, doch kannst du die Chance deutlich erhöhen, dass deine Muskeln und Faszien nicht zu sehr strapaziert werden und dadurch auch verletzungs- & schmerzunanfälliger sind. Auch wenn Muskel und Faszie eine Einheit bilden, unterscheiden sich ihre Verletzungsarten bzw. ihre Regenerationsprozesse. Wie stark diese Einheit ist wird deutlich, indem man sich vor Augen hält, dass etwa ein Drittel der Muskelfasern nicht in den eigentlichen Sehnen des Muskels enden, sondern im umliegenden Netzwerk aus Faszien.

Für Muskelverletzungen im Sport lässt sich allgemein festhalten, dass polyartikuläre (über mindestens zwei Gelenke hinweg) Muskeln häufigsten betroffen sind. Sie weisen eine deutliche Anfälligkeit auf. So sind laut Dr. Müller-Wohlfahrt etwa 92% der Verletzungen an der unteren Extremität auf 4 große Muskelgruppen verteilt.

Dazu gehören:

  • Mm. ischiocrurales mit 37% (Oberschenkelhinterseite)
  • M. gracilis/ M. sartorius (Leistengewebe, Adduktorengruppe) mit 23% (Oberschenkelinnenseite)
  • M. quadriceps femoris (v.a. M. rectus femoris) mit 19% (Oberschenkelvorderseite)
  • M. gastrocnemius (Triceps Surae) mit 13% (Wade)

Kommt es zu einer muskulären Verletzung bestimmt bereits unmittelbar danach die Blutversorgung den weiteren Wundheilungsverlauf. Entstehen Schädigungen, die zu einer verminderten lokalen Durchblutung führen, kann der Reperaturprozess bereits verzögert sein. Die Ruptur oder Wunde kann sich ohne ausreichend Blutzufuhr nicht optimal selbst “reinigen”. Die Einwanderung von Abwehrzellen wird eingeleitet. Dazu gehört u.a. auch die vermehrte Aktivität der Makrophagen (Fresszellen), welche ein Teil des entzündlichen Prozesses nach einer Verletzung sind. Dieser Ablauf ist zwingend notwendig, da diese Fresszellen zuständig für den unmittelbaren Säuberungsprozess sind. Sie entfernen alle geschädigten und unbrauchbaren Gewebsteile. Da die Anzhal dieser Fresszellen aber auch durch die körperliche Aktivität beeinflusst wird, ist es zwingend notwenig weiterhin dosierte Belastungen auf die Strukturen zu bringen. Kommt es zu einer vollständigen Entlastung des Muskel- und Bindegewebes, wirkt es diesem Heilungsprozess entgegen, da zu wenig Abwehrzellen gebildet werden (Kohno et al., 2012). Kommt es hingegen zu einer Überschussreaktion der Abwehrzellen, kann dies ebenfalls die Wundheilung negativ beeinflussen. Daher bedarf es stets einer moderaten Belastung nach Verletzungen. Bewegungen sollten während der Entzündungsphase in den ersten fünf Tagen daher nur moderat erfolgen, was jegliche Dehn- oder Kraftbelastungen damit ausschließt. Man konnte feststellen, dass diese Abwehrzellen gemeinsam mit Wachstumshormonen auch nach intensiven Trainingsbelastungen freigesetzt werden. Dieser Prozess ist demnach auch für das normale Faszien-Krafttraining wesentlich, da sowohl die Bindegewebsfasern, als auch die Satellitenzellen von den Abwehrzellen beeinflusst werden. Die Fasern der Faszie können sich vermehren und die Aktivität der Satellitenzellen nimmt zu. Grundlegend gilt, je höher das Depot an Satelliten- & Abwehrzellen, desto besser. Sobald ihre Aktivität ausgelöst wird, ermöglichen sie der Muskulatur überhaupt erst einen Längen- und Dickenwachstum,

da sie die dafür benötigten Zellkerne transportieren. Dadurch beschleunigt sich der Reparaturprozess und ermöglicht schneller erneute sportliche Leistungen. Im Laufe des Lebens lässt die Teilungsfähigkeit dieser Zellen nach. Man konnte allerdings feststellen, dass trainierte Personen mit einer höheren Anzahl von Satellitenzellen ausgestattet sind, als untrainierte Personen.

Zur vollständigen Regeneration, bspw. der Muskelfasern, bedarf es daher dieser Satellitenzellen, die ein wesentlicher Faktor für eine Wundschließung der Muskelfasern sind. Sie sind sogar in der Lage eine komplett neue Muskelfaser zu bilden. Die Satellitenzellen können allerdings nur dann aktiv heilen, wenn sie auf ein ausreichendes Fundament der Makrophagen treffen, da die Makrophagen das Überleben der Satellitenzellen beeinflussen. Ungefähr zwei Stunden nach der Traumatisierung beginnt dieser faszinierende Reperaturprozess bereits. Nach etwa 2-3 Tagen erreichen die Satellitenzellen ihren Höhepunkt in der Zellteilung. Jegliche Medikamente oder Mittel, die diesen Entzündungsprozess unterbrechen sollten daher vermieden werden. Dazu gehören alle anti-entzündlichen Medikamente, wie Ibuprofen oder Voltaren, sowie auch schmerzstillende Medikamente in Frage gestellt werden müssen, da sie die Wahrnehmung zur mechanischen Belastungsgrenze beeinflussen. Gleichzeitig ist eine langanhaltende Kälteapplikation kontraproduktiv, insbesondere ab dem Zeitpunkt des fokussiert entzündlichen Arbeitsbeginn (etwa zwei Stunden nach Verletzung). Unmittelbar nach Verletzung kann eine intermittierende (wechselwirkende) Kühlung zur Schmerzlinderung und zur reduzierten Einblutung Sinn machen, sollte dann allerdings nach wenigen Stunden nicht mehr angewendet werden. Eine fokussierte Entlastung des Bereichs mit einhergehender Kompression scheint hier von wesentlich höherer Bedeutung zu sein. Diese Entlastung sollte dann nach und nach verringert werden oder die Abstände dazwischen erhöht werden, sodass sich das Muskel- und Bindegewebe wieder an die Ausgangs/- Normallänge gewöhnen.

Nun entstehen während eines solchen Wundheilungsprozesses sehr häufig starke Narben, die auf eine zu hohe Produktionen der Extrazellularmatrix im Bindegewebe zurückzuführen sind. Konkret beinhaltet das ein oftmals vorhandenen lokalen Überschuss der Kollagenbildung, bzw. eine ungenügende Sortierung der Masse an Kollagen (ineffiziente Faserausrichtung). Diese Masse an Kollagen kann dann auch dazu führen, dass die Muskelfasern nicht ausreichend ineinander wachsen. Dieser Prozess wird natürlich maßgeblich von den Fibroblasten, den Zellen der Faszie, gestartet.

Jede Narbe geht mit Veränderungen in der Faszie einher. Dazu gehört ein ungeschmeidigeres Milieu der Grundsubstanz, sowie eine erhöhte Anzahl an Kollagenfasern, die sich wuchernd und verklebt darstellen. Daher muss es das Ziel nach einer Verletzung sein der Faszie ausreichend Zeit zur Wundverschließung zu geben, sie allerdings auch früh genug anti-fibrotisch zu stimulieren.

Erreicht wird dies in modernen Rehabilitationsprogrammen durch biomechanische (Training etc.) und biochemische (Ernährung etc.) Prozesse.

Für die biomechanische Gesundheit sind Zug- und Druckbelastungen unabdingbar. Allerdings unterliegen diese Belastungen gewissen Auflagen. Im Falle einer Verletzung spielt der Zeitpunkt der Belastungen eine entscheidende Rolle.

Kommt es zu der angesprochenen erhöhten Narbenbildung, so hat man mit jedem weiteren Tag der überschüssigen Narbenbildung umso länger mit der Auflösung dieser Narbe zu kämpfen. Setzt man allerdings zu frühe Belastungsreise kommt es zu den sogenannten Rezidiven, einer erneuten Verletzung derselben Struktur. Es ist ein sehr schmaler Grad, an dem nicht wenige Ärzte, Therapeuten, Trainer und auch Sportler verzweifeln können.

Letztlich bleibt ein Regenerations- & Heilungsverlauf immer individuell. Jeder ist eben anders. Allerdings kann man sich hierbei gemäß den Wundheilungsphasen an der Bindegewebsphysiologie orientieren und somit das Risiko deutlich minimieren. Wichtig ist allerdings darauf hinzuweisen, dass es bislang keine Norm für eine Muskel- oder Faszienverletzung gibt. Viele der Experimente beruhen lediglich auf Tierexperimenten und können daher in so einem hochkomplexen Prozess der Regeneration höchstunterschiedliche Phasen aufzeigen. Zudem ist erst durch den Aufschwung der Faszienforschung möglich unterschiedliche Faszien- und Muskelschichten durch hochauflösenden Ultraschall darzustellen und deutlich zu unterscheiden.

Aufgrund der allgemeinen Wundheilungsphasen lassen sich allerdings gewisse Etappen setzen. Es ist sicherlich nicht umsonst der Fall, dass Mediziner ihre gesetzten Fäden nach einer Schnitt- oder Operationswunde in der Regel erst nach 7- 14 Tagen ziehen. Je nach Wundgröße kann dies sogar in zwei Schritten erfolgen (Zumeist bei Narben über 10cm).

Folglich ist zu diesem Zeitpunkt die Wunde verschlossen und das körpereigene Ersatzgewebe kann die physiologische Zugkraft alleine halten. Eine ausreichende Zeit für die Haut und das oberflächliche Bindegewebe, aber übrigens nicht für Sehnen oder Bänder. Hier kann dieser Prozess mehrere Wochen (etwa 6 -12 Wochen) andauern. Das physiologische Ersatzgewebe bei einer Muskelbindegewebsverletzung hat sich demnach innerhalb dieser drei Wochen Proliferationsphase wieder nahezu vollständig gebildet.

Allerdings besitzt das Kollagen dann erst etwa 20% der ursprünglichen Zugstärke. Diese Tatsache verdeutlicht, dass während dieser Phase daher lediglich physiologische Zugkräfte auf eine Narbe wirken sollten. Das schließt große Dehn- und Kräftigungsbelastungen aus. Ganz konkret heißt das, dass eine Übung, wie bspw. das Langhantelkreuzheben mit Lasten nach einer vorderen Kreuzbandoperation im Kniegelenk nur drei Wochen post-operativ eigentlich eine Körperverletzung ist! Bitte daher unbedingt auf erfahrene Therapeuten vertrauen, denn oft gilt hier nicht “der frühe Vogel fängt den Wurm” oder “viel hilft viel”, sondern vielmehr “manchmal ist weniger mehr” und vor allem “alles zu seiner Zeit”!

Hingegen können in dieser Zeitspanne gewisse “Matrixbelastungen” auf das Gewebe gebracht werden. Dazu gehören isometrische Spannungen, ohne große Längenveränderung, der betroffenen Muskulatur und des betroffenen Bindegewebes. Zugleich sollten diese Spannungen im schmerzfreien Bereich stattfinden. Im Anschluss daran können bereits leichte Belastungen des Kollagens stattfinden. Spätestens nach 4 Wochen und dem späten Ende der Proliferationsphase kann das Kollagen und auch die Muskelfaser wieder schmerzfreien Zugbelastungen ausgesetzt werden. Dadurch erfolgt die erneut auftrainierte Stärke des Muskels, der Faszien und der benachbarten Gelenke.

Einhergehend mit den Belastungen innerhalb des jeweiligen Nachbehandlungsschemas scheint es sehr wichtig zu sein die umliegenden Strukturen bereits von Beginn an zu entspannen. Das beinhaltet zum einen die Detonisierung (Muskeltonus zum Normaltonus) der umliegenden Muskelgruppen, als auch die Gleitfähigkeit angrenzender Faszienschichten- & Ketten. Zudem kann bereits auch sehr früh nach einer Verletzung an einer besseren/ wiederhergestellten, sowie ausgeglichenen neuromuskulären Ansteuerung der Muskulatur im isometrischen und schmerzfreien Bereich trainiert werden. All diese Faktoren reduzieren fehlerhafte Zugspannungen auf das verletzte Gebiet, welche die Wundheilung stören können.

Aufgrund von automatisch und unbewusst eingenommenen Schonhaltungen erfolgen diese Fehlspannungen nahezu immer, weswegen konkrete Gegenmaßnahmen wichtig sind, um dann auch die angrenzenden Gelenke in vollem Ausmaß beweglich zu halten bzw. sie wieder dahin zu entwickeln.

Ein gutes und hochspannendes Beispiel hierfür sind Menschen, die unter pathologisch hohen Muskelspannungen leiden (die sogenannte Spastik). In den meisten Fällen wird hierbei lediglich das Muskel- und Nervensystem betrachtet, fernab der Faszien. Eine neue Operationsmethode aus Russland, 2008 in Deutschland eingeführt, ändert diese Sichtweise sehr eindrucksvoll. Die “perkutane Myofasziotomie” (nach Ulzibat) verdeutlicht den Einfluss der Faszien auf solche spastischen Fehlspannungen. Hierbei werden während einer Operation gezielt die Muskelfaszien und Sehnenbereiche mit einem Operationsnagel angeritzt. Für den Therapeuten klassisch spürbar verspannte oder verdickte Regionen nimmt sich der Operateur hier mit einem Nagel zur Brust. Nachdem die oberen Faszienschichten angeritzt, also „gelöst“ wurden, sind unter Narkose und auch später in Funktion deutliche Erfolge sichtbar. Diese dienen zum einen der Bewegungserweiterung und zum anderen der besseren Funktion. Menschen (v.a. Kinder), die vorher bspw. nicht gehen konnten, können danach laufen. In diesem extremen Krankheitsbild zeigt sich die Bedeutung der Faszienspannung. Ist man in der Lage diese fibrotischen Spannungen zu lösen, so ergeben sich ganz andere Funktionen und ausgeglichene Zugspannungen im Körper. Mehr Funktion, mehr Lebensqualität!

Hat man demnach bspw. einen Muskelfaserriss an der Oberschenkelrückseite (Mm. ischiocrurales) kann bereits unmittelbar nach der Ruptur an Rücken, Gesäß, angrenzenden Oberschenkelbereich, der Wade und dem Fuß therapiert werden. Hier können auch Mittel zur Selbstmassage eingesetzt werden, wie bspw. die Faszienrolle oder die Vibrationsmassagepistole.

Sobald die mechanische Belastung und die Gewebsqualität es zulässt, kann auch mit einer leichten Dosierung und weichen Varianten von Rollen und Bällen mit Selbstmassagen im Verletzungsbereich massiert werden. Am besten ist es jedoch, wenn sich ein erfahrener Therapeut einen Eindruck über das Gewebe verschafft und letztlich den Status beurteilt. Der optimale Zeitpunkt zur Therapiemaßnahme ist bisher nicht komplett objektiv messbar, dafür aber durch erfahrene Hände spürbar.

Wir, das TEAM AREHA helfen dir gerne dabei fit & gesund aus der Sportverletzung oder der Operation heraus dein Comeback zu starten und bleiben für dich präventiv verfügbar, um das Risiko auf das absolute Minimum zu reduzieren & gleichzeitig die Leistungsfähigkeit in Alltag und Sport maximal zu erhöhen!

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